6.0

MB-Kritik

North Hollywood 2021

Comedy, Drama, Sport

6.0

Ryder McLaughlin
Miranda Cosgrove
Vince Vaughn
Nico Hiraga
Ama Elsesser
Angus Cloud
Tyshawn Jones
Bobby Worrest
Blake Anderson
Arsenio Castellanos
Sunny Suljic
Gillian Jacobs
Griffin Gluck
Thomas Barbusca
Mikey Alfred
Sophia Bui

Inhalt

Michael (Ryder McLaughlin) steht kurz vor seinem High School-Abschluss und braucht einen Plan, wie es für ihn danach im Leben weitergehen soll. Während sein Vater (Vince Vaughn) ihn mit Karriereplänen unter Druck setzt, träumt Michael davon, ein Profi-Skater zu werden. Den Sommer verbringt er die meiste Zeit mit seinen besten Freunden im Skatepark und nähert sich auch langsam seinem Schwarm Rachel (Miranda Cosgrove) an. Als Michael schließlich die Chance bekommt, mit richtigen Profi-Skatern abzuhängen, führt das zu Spannungen in seinem Umfeld. Jetzt liegt es an ihm zu entscheiden, was ihm wirklich wichtig ist ...

Kritik

Manche Filme beginnen durchaus vielversprechend, aber verlieren zu einem bestimmten Zeitpunkt das Interesse ihrer Zuschauer. Leider gehört North Hollywood zu solchen Filmen. Es ist ein Regiedebüt von Mikey Alfred, der unter anderem Jonah Hills Film Mid90s produzierte. Beflügelt vom Erfolg von Mid90s entschied er sich nun selbst bei einem Film Regie zu führen, ihn selbst zu produzieren und das Drehbuch zu schreiben. Die Grundidee des Drehbuchs ist eigentlich ganz gut. Alfred schrieb eine Coming-of-Age Geschichte, die sich mit Freundschaften befasst, die kurz nach dem Schulabschluss auf die harte Probe gestellt werden. Man lebt sich auseinander, die Liebe funkt dazwischen und jeder steht kurz davor, sein eigenes Erwachsenenleben zu führen. Er beschreibt den letzten gemeinsamen Sommer, bevor die neue Phase des Lebens beginnt und jeder seinen Weg geht. Mikey Alfred verarbeitet in North Hollywood seine eigenen Jugenderfahrungen: er wuchs selbst in North Hollywood auf, begeisterte sich seit seiner Jugend fürs Skaten und gründete die Skate-Marke Illegal Civilization.

Grundsätzlich sind Filme, in denen persönliche Erfahrungen verarbeitet werden, interessant. Allerdings kommt es natürlich darauf an, wie gut die filmische Umsetzung funktioniert. North Hollywood beginnt mit der Vorstellung eines unangepassten Jugendlichen, der an nichts anderes außer Skaten denken kann. Er will viel Geld verdienen, um die Welt reisen und ein Profi-Skater werden, während sein Vater ständig wiederholt, dass der Junge den Fokus aufs College legen soll. Der Junge denkt aber nur daran, „groß rauszukommen“ und redet ständig darüber. Ab einem gewissen Zeitpunkt fällt einem zu North Hollywood der Spruch ein: „Less talk, more action!“ Man beginnt zu denken: „Dann zeig doch endlich mal, was du als Skater alles drauf hast, statt nur darüber zu reden!“ Die Skate-Szenen kommen in diesem Film tatsächlich zu kurz und dafür, dass Michael ein so großartiger Skater sein soll, sind diese Szenen nicht gerade spektakulär. Ja, die Skater können alle, ohne Frage, gut skaten, aber ihre Darbietung ist nicht überragend und steht in einem Missverhältnis zu dem Hype, den Michael um sich selbst macht. Man hat auch nicht das Gefühl, dass der Film die Selbstüberschätzung der Figur zum Ausdruck bringen möchte, man geht vielmehr tatsächlich davon aus, dass man im Film Skater-Skills abliefert, die auf das überragende Talent von Michael schließen lassen. Aber zumindest sind die Kameraaufnahmen gut gelungen. Es wirkt oft so, als hätte man die Szenen mit dem Camcorder gedreht, aber es passt gut zum Film.  

Die zentrale Thematik des Films ist definitiv Freundschaft mit all ihren Höhen und Tiefen. North Hollywood ist wahrscheinlich einer der wenigen Filme, in denen männliche Figuren so offen ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Leider wirkt es jedoch zu gewollt, als hätte jemand hinter der Kamera kurz mit dem Finger geschnipst und schon genügt eine kurze Aussprache und eine Figur lässt sich sofort von der Meinung seines Gegenübers überzeugen, ohne, dass man als Zuschauer eine Entwicklung oder eine emotionale Wirkung auf die zu überzeugende Figur mitbekommt. Vermutlich liegt es an der Unerfahrenheit des Hauptdarstellers Ryder McLaughlin (Dog-Das Glück hat vier Pfoten), der mit North Hollywood seine erste große Rolle ergattert hat, denn gerade in den Szenen mit Vince Vaughn (All Inclusive), der seinen Vater spielt , merkt man, dass schauspielerisch mehr von McLaughlin zu erwarten gewesen wäre. Er hätte es dem Zuschauer zeigen sollen, wie viel ihm das Skaten bedeutet, aber man spürt es einfach nicht. Man merkt, dass er gerne skatet, aber es fehlt diese Entschlossenheit, dieser feste Wille es unbedingt schaffen zu müssen wie zum Beispiel bei Billy Elliot. Diese unbändige Kraft und das Gefühl, dass man etwas macht, was man vom ganzen Herzen liebt und ohne das man nicht leben kann. Vince Vaughn reagiert als Profi adäquat auf die Worte des Jungen, aber Ryder McLaughlin macht es ihm  nicht leicht, weil er es nicht schafft seine Leidenschaft fürs Skaten zum Ausdruck zu bringen und Vince Vaughn trotzdem so tun muss, als wäre die Rede des Jungen unglaublich überzeugend gewesen.

Fazit

"North Hollywood" ist ein gewöhnlicher Coming of Age-Film, dem das gewisse Etwas fehlt, aber man kann sich den Film trotzdem ansehen, wenn man weder von den Skate-Szenen noch vom Schauspiel zu viel erwartet. Es ist ein Film über Höhen und Tiefen der Freundschaft, über erste Verliebtheit und den letzten Sommer vor dem Erwachsenwerden. Eigentlich liegt hier ein gutes Drehbuch vor, das jedoch leider nicht ganz optimal umgesetzt wurde.

Autor: Yuliya Mieland
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