MB-Kritik

Oink 2022

Animation

Hiba Ghafry
Alex Klaasen
Johnny Kraaijkamp
Loes Luca
Matsen Montsma
Kees Prins
Jelka van Houten
Henry van Loon
Remko Vrijdag

Inhalt

Als Babs’ cooler Opa aus Amerika seiner Enkelin ein süßes Ferkel schenkt, scheint das Leben perfekt. Doch Opas doppelte Identität sorgt für reichlich Konflikte.

Kritik

Wurst ist scheiße. Das gilt im wahrsten Sinne in Mascha Halberstads drolligem Debüt. Dessen tierischer Titelheld benimmt sich meistens putzig, manchmal aber auch echt kacke - ebenfalls wörtlich: Große Menge brauner Knete wurden für den Puppentrickfilm verbraucht. Nicht nur mit harmlosen Ferkeleien tritt das knuffige Schweinchen, das die 12-jährige Babs (Sprecherin: Hiba Ghafry) von ihrem lang verschwundenen Großvater geschenkt bekommt, aus Babes bravem Schatten. Der liebenswerten Freundschaftsfabel geht es vor allem um die Empathie-Botschaft. 

Schon die eigenwillige Ästhetik der Figuren, deren beabsichtigte Hässlichkeit und nicht nur aus Perspektive eines potenziellen Fleischprodukts wie das Oink getaufte Ferkelchen gruseligen Accessoires an ein Kuriositätenkabinett erinnern, ist eine klare Distanzierung den bis an die Grenze des Erträglichen süßen Disney-Helden. Mit Blick auf die tierliebe Botschaft mach dies durchaus Sinn. Schließlich gelten nicht alle Tiere, die auf dem Teller landen, allgemein als niedlich. Schweine wie Oink haben es da beutend schwerer als Hunde. 

Mit Zweiten wird Oink mehrfach verglichen. Fiona van Heemstras (Long way Up) Drehbuch verliert sich lieber in Wiederholungen als spannende Handlungsfragen wie die nach der willkürlichen Definition von Haustier und Nutztier zu ergründen. Gleichsam wird das psychologische Potenzial der Charaktere nur ansatzweise ausgeschöpft. Besonders die Beziehung zwischen Babs Mutter und dem Großvater Tuitje, der seine Tochter einst verlassen hat, lässt Fragen offen. Was der Story bisweilen an Originalität fehlt, gleichen die schräge Optik und ambitionierte Message aus. Echt Knor(ke)!

Fazit

Auch wenn der niederländische Knettrickfilm aus dem Programm der Berlinale Generation mit Highlights der vergangenen Jahrgänge wie Mary & Max nicht mithalten kann, gewinnt Mascha Halberstads Spielfilmdebüt mit Charme, Witz und Tempo besonders die jüngere Zuschauerschaft spielend. Das liegt nicht zuletzt an dem zeitgemäßen Appell für Tierrechte, die nur leider wenig hintergründig thematisiert ist. Immerhin ist der gehypte Veggie-Boom verschwindend gering gegenüber des exorbitanten Wachstums der Fleischindustrie, die hier zu Recht als unverbesserlicher Schurke auftritt.

Autor: Lida Bach
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