5.4

MB-Kritik

Ach du Scheisse! 2022

Action, Comedy, Thriller

5.4

Thomas Niehaus
Gedeon Burkhard
Olga von Luckwald
Rodney Charles
Micaela Schäfer
Björn Meyer
Uke Bosse
Friederike Kempter
Yuki Iwamoto

Inhalt

Wenn du aufwachst und alles blau ist, ist entweder der Suff dran schuld oder ein Dixi-Klo. Richtig scheiße wird‘s, wenn diese stinkende Plastikhölle zur Seite gekippt in einer Baustelle liegt und du auf einer Metallstange aufgespießt drin liegst. Davon kann Frank ein Lied singen! Als der Architekt sich so wiederfindet und dann auch noch die Bürgermeisterrede des nahegelegenen Festes kundtut, dass hier bald gesprengt wird, ist die Kacke so richtig am Dampfen. Für Frank steht fest: Er muss raus aus dieser Scheiße!

Kritik

Gesehen auf dem Hard:OnLine Film Festival 2022

Ach du Scheisse! ist schon eine Enttäuschung. Also nicht der Film an sich, sondern dass das Langfilmdebüt von Regisseur und Autor gar nicht mal so übel geworden ist. Wäre das Kammerspiel eine reinrassige Zeitverschwendung, diese Kritik würde sich von selbst schreiben: Der Film ist kacke. Hier habt ihr eine Scheißzeit. Kotdürftige Unterhaltung. Tja, aber daraus wird nun nichts, denn Holy Shit (unter diesem Titel lief er beim Hard:Line sowie Hard:OnLine Film Festival) macht im Kontext seiner beschissenen (sorry, der musste noch sein) Prämisse eine Menge richtig und vor allem Laune.

Die Story ist simpel: Frank (Thomas Niehaus, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo) steckt im umgestürzten Klohäuschen fest. Eine Metallstange hat seinen Arm durchbohrt und den Architekten wortwörtlich ans Klo genagelt. Zu allem Überfluss kommt neben der Wunde und den Fäkalien auch noch die Tatsache hinzu, dass das Dixie-Klo mitten in einer Sprengzone steht, die schon sehr bald hochgejagt wird. Im Grunde kennen wir solche Geschichten zur Genüge. Man denke nur an s 127 Hours mit , in Buried - Lebend begraben oder dem letzten Jahr bei Netflix gestarteten Sci-Fi-Überlebenskampf Oxygen von Horror-Spezi .

Ach du Scheisse! fügt sich in diese Liste nahtlos ein, denn auch wenn hier sehr deutlich Klamauk und durchaus auch parodistische Anleihen vorhanden sind, erzählt er doch gleichsam auch von einem waschechten Überlebenskampf. Nur eben nicht in einer High-Tech-Kapsel oder einem Sarg, sondern in einer umgestürzten Baustellentoilette. Wenn Frank versucht, mit Pfeile, Erste-Hilfe-Koffer und Zollstock sein Leben zu retten, ist das erstaunlich fesselnd geraten. Der Humor behindert die Spannung nicht, lässt ihr immer genug Raum zur Entfaltung, ohne sich aber jemals wirklich aus der Geschichte zurückzuziehen, in der Hauptdarsteller Niehaus überaus überzeugend agiert.

Der wahre Star des Films ist – neben dem Klo natürlich – der Münchener Schauspieler , der neben gängigen deutschen Produktionen wie Kokowääh 2, auch immer wieder in Projekten junger Filmemacher*innen wie Plan B - Scheiß auf Plan A  oder Schneeflöckchen auftritt. Seine Beteiligung in Ach du Scheisse! ist das Tüpfelchen auf dem I. Seine Rolle des Bürgermeisters Horst Wolf ist so herrlich amüsant, überdreht und überzogen, dass er die wenigen Szenen, in denen er wirklich zu sehen ist, mühelos für sich beansprucht, ohne aber aus dem Film eine reinrassige One-Man-Show zu machen. Tolle Leistung von ihm, aber auch von allen anderen.

Dass der Film beim neunten Hard:Line Festival den ersten Platz bei der Publikumsumfrage gemacht hat und dazu auch noch einen Kinostart im Herbst 2022 ergattern konnte, ist nach der Sichtung keine wirkliche Überraschung, sondern ganz einfach ein gerechtfertigter Verdienst. Zwar läuft nicht alles glatt und hin und wieder schleicht sich die ein oder andere Länge ins Klosett, den Spaß am Film versaut dies aber nicht. Einzig eine Sache ist eine dringliche Beschwerde wert: Nach Ach du Scheisse! könnte es sein, dass man von der Popband Münchener Freiheit und ihrem Hit Ohne dich (schlaf' ich heut' Nacht nicht ein) aus dem Jahre 1985 einen Ohrwurm haben könnte. Glaubt uns, das ist richtig scheiße.

Fazit

Thomas Rinkers Spielfilmdebüt mixt amüsante Absurdität mit hartem Überlebenskampf und hat dabei weder Scheu vor Fäkalien, noch vor Klamauk. Kein großer Scheiß, sondern eine spaßige Überraschung aus der Genre-Nasszelle Deutschlands.

Autor: Sebastian Groß
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