Bildnachweis: © Arsenal Filmverleih "Incendies"

Denis Villeneuve: Der größte Regisseur unserer Zeit?

von Rene Lentsch

Inhalt:

Die in Montreal aufgewachsenen Geschwister Jeanne () und Simon () erfahren bei der Testamentseröffnung ihrer Mutter, dass sie einen Bruder haben. Die beiden sind schockiert. Der Notar, ein Freund ihrer Mutter, die über ihre Vergangenheit immer geschwiegen hat, übergibt ihnen zwei Briefe, einen an den Bruder, einen an den Vater gerichtet. Jeanne will herausfinden, wer Vater und Bruder sind, Simon dagegen die Vergangenheit ruhen lassen. So bricht Jeanne allein auf Spurensuche in den Nahen Osten auf und deckt ein schreckliches Detail nach dem anderen ihrer vom Krieg bestimmten furchtbaren Familiengeschichte auf. 

Übernommen aus unserer Kritik!

Meine Meinung:

Sein letzter französischer Film ist für die meisten Menschen auch sein bester und das kann ich absolut nachvollziehen. In Incendies begibt Villeneuve sich in ungeahnte Gefilde und erzählt von Themen wie Vergewaltigungen, der Suche nach dem Kind, welches bei der Geburt entrissen wurde und einem religiös motivierten Krieg. Das sind erneut verdammt sensible Themen und Villeneuve erzeugt damit eine selten gesehene Spannung. Er arbeitet erneut mit Perspektivwechseln, wodurch wir alles, was unsere Protagonistin über die Vergangenheit ihrer Mutter enthüllt, verbildlicht bekommen. 

Die Geschichte selbst ist emotional unglaublich mitreißend und erschreckend. Die Stuktur der wechselnden Perspektiven sorgt dabei dafür, dass wir immer wieder Neues erfahren und die Ausmaße des Geschehen gemeinsam mit der Protagonastin entschlüsseln. Und was wir dabei entschlüsseln ist so niederträchtig und überraschend, dass man es selbst erleben muss. Dabei gibt es einen Twist, der nicht nur im Film ist, damit er einen Twist hat, sondern der den gesamten Film in einem anderen Licht erscheinen lässt und einen Bogen zum Anfang des Films schlägt. Dadurch bekommt der Film beim Rewatch eine interessante, neue Ebene. Leider war der Film für meinen Geschmack vielleicht 15 Minuten zu lang, nicht weil die einzelnen Szenen zu lang waren, sondern weil nicht jede Szene für die Geschichte notwendig war. 

Inszenatorisch ist das hier lächerlich gut. Die Bilder kommen erneut von André Turpin und lassen im Zusammenspiel mit dem fantastischen Score von Grégoire Hetzel ein audio-visuelles Meisterwerk entstehen und man bekommt das Gefühl, dass es Villeneuve nicht möglich ist, einen optisch schwachen Film zu inszenieren. Das ist ganz großes Kino.

Fazit:

Villeneuves letzter französisch sprachiger Film ist thematisch vielleicht sein mutigster. Geschichtlich dadurch vielleicht am Anfang schwer greifbar, entfaltet sich am Ende eine Geschichte, die verdammt niederträchtig und überraschend ist. Ein Film, den man gesehen haben sollte.  

Bewertung und Villeneuve Ranking:

persönliche Bewertung: 8,5/10

Einreihung im Villeneuve Ranking: Platz 6 von 10

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