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Raven13

Kritik von Raven13

Gesehen: Dezember, 2023

Diese Kritik enthält Spoiler.

Bereits am 21.12.2023 hatte ich das Glück, dass ein Kino in meiner Nähle "Der Junge und der Reiher" in einer Vor-Premiere zeigen konnte. Diese Chance habe ich direkt ausgenutzt. Hier nun meine Kritik zum Film.

Ich teile meine Kritik in zwei Parts auf. Der erste Part ist absolut spoilerfrei! Der zweite Part enthält massive Spoiler, daher Vorsicht!

Part 1 – Spoiler-Frei!

Handlung / Storytelling / Pacing / Charaktere

Die Handlung spielt sich zur Zeit des zweiten Weltkriegs um 1940 herum ab. Mahito, ein jugendlicher Junge, hat seine Mutter bei einem Brand in Tokyo verloren. Sein Vater und er ziehen zu Mahitos Tante auf’s Land. Mahito hat ein schweres Trauma erlitten und muss dieses nun verarbeiten. Auf dem Gelände der Tante fängt plötzlich ein Reiher an, zu Mahito zu sprechen und sagt, seine Mutter sei nicht tot…

Man lernt Mahito erst nach dem Tod der Mutter kennen. Er ist sehr verschlossen, redet kaum und interessiert sich kaum für sein neues Zuhause oder seine Tante. Selbst dem sprechenden Reiher begegnet er mit Missmut und Ablehnung. Dies ist in seiner Lebenslage und dank des Traumas des Verlusts seiner Mutter durchaus verständlich. Das führt aber leider auch dazu, dass der Film insgesamt nicht so herzlich und emotional ist, sondern eher kühl und distanziert.

Mahito‘s Vater lernen wir kaum kennen, und seine Tante ebenfalls nicht sehr. Dadurch ist eine emotionale Bindung nicht so richtig möglich. Allgemein sind die Nebenfiguren abseits von Mahito alle nur zu kurz im Film zu sehen, als dass man sie ins Herz schließen könnte. Das finde ich etwas schade, da die bisherigen Filme von Hayao Miyazaki eher das Gegenteil waren: Sehr emotionale und tolle Charaktere, die einem ans Herz wachsen.

Die Handlung ist anfangs sehr verwirrend. Man hat viele offene Fragen, doch erhält kaum Antworten. Da verwundert es sehr, dass Mahito selbst, der all das wundersame erlebt, jedoch kaum Neugier diesen Erlebnissen gegenüber zeigt. Er nimmt das alles hin, als wäre es normal. Dadurch kann ich auch nie so recht mit Mahot mitfiebern oder mitfühlen, weil er sich völlig gegensätzlich zu dem verhält, was ich als Zuschauer von ihm erwarten würde.

Das klingt bis hierhin vielleicht nicht unbedingt positiv, doch der Film hat auch noch eine ganz andere Seite, nämlich die mystische, fantasievolle und auch die psychologische Seite. Und die Geschichte ist trotz der kühlen Distanziertheit sehr interessant und spannend. Ich wollte die ganzen zwei Stunden immer wissen, wie es weitergeht und wie das ganze sich am Ende auflöst. Die mystische Seite der Handlung ist gleichermaßen interessant wie spaßig und wunderschön.

Zeichnungen / Stil / Setting / Visueller Eindruck

Der Stil der Zeichnungen und die Bilder, die man auf der Leinwand betrachtet, sind, wie von Hayao Miyazaki und Ghibli gewohnt, auf sehr hohem Niveau. Die Bilder sind wunderschön und die Landschaften malerisch wie aus einem Traum. Das Haus auf dem Land mitsamt der Umgebung ist wunderschön, ich wäre am liebsten sofort dort eingezogen.

Musik

Auch die Musik ist wieder auf einem hohen Niveau. Ich hatte das ein oder andere Mal eine Gänsehaut von den schönen Klängen.

Fazit

Insgesamt betrachtet empfinde ich „Der Junge und der Reiher“ nach meiner ersten Sichtung tatsächlich als einen der schwächsten Filme von Hayao Miyazaki. An Filme wie „Chihiros Reise ins Zauberland“, „Prinzessin Mononoke“, „Ponyo“, „Kikis kleiner Lieferservice“, „Nausicaä“, „Das Schloss im Himmel“ oder „Mein Nachbar Totoro“ kommt er nicht heran. Wobei ich aber auch sagen muss, dass mir „Mein Nachbar Totoro“ bei meiner ersten Sichtung auch nicht so gut gefallen hat und ich diesen erst nach der zweiten Sichtung fantastisch fand.

Hauptgrund für mein Empfinden ist aber nicht die Handlung oder der Stil, sondern die kühle Distanziertheit des Jungen Mahito, mit welchem ich dadurch nicht so recht warm wurde. Dem Jungen fehlte es an Sympathie. Das machen aber die Nebencharaktere teilweise wett, auch wenn diese nicht so häufig und so lange im Fokus sind, wie ich es mir gewünscht hätte.

Der Film ist aber trotzdem faszinierend und wunderschön, die Geschichte ist zudem interessant und spannend genug, um mich am Ball bleiben zu lassen. Es gibt mehr Fragen als Antworten, aber auch das ist ja Ghibli-typisch. Der Film bietet viel Interpretations-Spielraum und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Ich habe seit meinem Kinobesuch gestern Abend viel über die Handlung und mögliche Deutungen und Erklärungen nachgedacht. Ich schätze, eine zweite Sichtung wird einiges klarer erscheinen lassen.

In Part 2 meiner Kritik gehe ich gleich aber noch ins Detail und werde auch stark auf die Handlung und meine bisherigen Interpretationen eingehen. Diesen Part bitte nur lesen, wenn ihr den Film schon gesehen habt!

Hier nun aber erstmal meine bisherige Bewertung:

Bewertung: 8/10 Punkte

Wiederschauwert: Mittel

Nachhaltiger Eindruck: Mittel

Emotionale Tiefe: Gering


Part 2 – Handlungsdetails und Interpretationen (SPOILER!)

Mahito verliert seine Mutter bei einem Brand im Krankenhaus in Tokyo. Ein Jahr später ziehen er und sein Vater zur Schwester von Mahitos Mutter, Natsuko, auf’s Land in ein großes Anwesen. Sein Vater hat sich in die Schwester seiner toten Frau verliebt und bereits beim Umzug ist die Tante Natsuko schwanger. Mahito begegnet ihr jedoch sehr distanziert und kühl und scheint sich nicht für sie zu interessieren. Er ist müde und schläft erstmal auf dem Bett ein, bis er von einem sprechenden Reiher aufgeweckt wird, welcher sagt, er bräuchte seine Hilfe und dass seine Mutter noch leben würde. Der Reiher wird von Natsuko verjagt.

Draußen am Seeufer sieht er wieder den Reiher, der dann kurzerhand zu einer Turmruine in der Nähe fliegt. Dort schaut sich Mahito um, findet jedoch keinen richtigen Eingang, denn dieser wurde zugeschüttet. Die Haushälterinnen suchen ihn bereits, und auf die Frage nach dem Turm sagen diese ihm nur, dass der Bruder von Natsukos Großvater den Trum damals erbaut hat und dann unter mysteriösen Umständen verschwunden sei. Man hat die Eingänge zum Turm alle zugeschüttet, weil es ein Erdbeben gab, welches die Zugänge und den Turm einsturzgefährdend werden lies.

Als Mahitos Vater, der direkt in seine neu erworbene Fabrik zur Arbeit musste, abends nach Hause kommt, sieht Mahito aus dem Treppenhaus, wie sein Vater Natsuko umarmt und küsst. Er nimmt dies teilnahmslos hin, doch man merkt, dass ihm das nicht gefällt. Am nächsten Tag bringt sein Vater ihn bewusst mit seinem teuren neuen Auto zur Schule, damit alle sehen, wessen Sohn er ist. Auch der Schule hat der Vater schon Geld gespendet. Es kommt, wie es kommen muss: Mahito wird verhöhnt und es gibt nach der Schule direkt eine Prügelei. Das Ergebnis ist harmlos, ein paar blaue Flecken, nicht mehr. Doch dann, bevor er Zuhause ankommt, nimmt er einen Stein vom Boden auf und haut sich diesen an den eigenen Kopf, so stark, dass Mahito stark blutet. Zuhause wird er umsorgt, alle machen sich Sorgen und der Vater fährt direkt zur Schule, um sich zu beschweren, weil er glaubt, die anderen hätten seinem Sohn das angetan, obwohl Mahito nur sagt, er sei hingefallen. Der Junge wird genäht und verarztet und schläft dann für eine ganze Weile, während sich die Haushälterinnen um ihn kümmern.

Später dann belästigt ihn der Reiher schon wieder, er bedroht ihn sogar. Er sagt, er würde im Turm erwartet werden. Einige Zeit später sieht er vom Zimmer aus, wie Natsuko im Wald verschwindet. Noch einige Zeit später suchen alle Hausangestellten nach ihr, weil sie verschwunden ist. Mahito hilft bei der Suche und sagt einer Haushälterin, dass Natsuko in den Wald gelaufen ist. Dies glaubt sie ihm nicht. Doch sie folgen dem Weg in den Wald und gelangen auf anderem Wege zum Turm und in den Turm hinein. Der Reiher taucht auch wieder auf und lockt sie in den Turm, wo Natsuko wohl schon auf ihn wartet. Dort angekommen, befindet sich Natsuko auf einem Sofa und löst sich bei Berührung in Wasser auf. Dann will ihn der Reiher umbringen, doch Mahito verletzt den Reiher mit einem selbstgebauten Bogen und schießt dem Reiher ein Loch in den Schnabel. Dieser sieht plötzlich aus wie ein fremdartiges Wesen, nicht mehr wie ein Reiher. Dann taucht ein alter mann oben in der Turmspitze auf und befiehlt dem Reiher, Mahito den Weg zu Natsuko zu zeigen. Plötzlich löst sich der Boden auf, wird flüssig und Mahuto, die Hausangestellte und der Reiher werden in eine andere Welt gezogen. Dort passieren merkwürdige Dinge, und es scheint, als sei diese Welt eine Art Totenwelt und andere Dimension zugleich. Dort passieren die merkwürdigsten Dinge.

Dort begegnet Mahito dann auch einem Mädchen in seinem Alter, die sich als seine Mutter herausstellt. Sie beherrscht das Feuer in dieser Welt und hilft Mahito, ihre Schwester zu finden. Diese befindet sich wohl in dem „Turm“, welche eigentlich ein außerirdischer Stein ist und verschiedene Welten und Zeiten verbindet. Sie soll dort ihr Kind gebären. Das Warum und Wie und Weshalb wird nicht beantwortet und allgemein bleiben viele Fragen offen.

Nun zu meinen Interpretationen

Es kann nun sein, dass all das Erlebte wahr ist und wirklich passiert. Dies würde dadurch gestützt, dass auch andere involviert sind wie die Hausangestellte oder Natsuko und dass sie alle gemeinsam den Weg am Ende wieder aus der Welt finden. Es spricht einiges dafür, dass das alles real ist. Auch spricht der Reiher schon zu dem Jungen, als er gerade erst in dem Anwesen angekommen ist, noch VOR seiner Verletzung am Kopf.

Aber es spricht auch vieles dafür, dass Mahito vielleicht auch nur träumt, während er von seiner Kopfverletzung lange bewusstlos und schlafend verbringt. Er hat ein Trauma erlitten und dazu noch die schwere Kopfverletzung. Das zusammen könnte dazu führen, dass er sich das alles nur einbildet. Auch dafür sprechen viele Details und Erlebnisse in der anderen Welt. Letztendlich wollte Mahito nicht wahrhaben, dass seine Mutter tot ist und er hat sich Natsuko weggewünscht, weil er sie hasst, weil sein Vater sie gern hat und die tote Mutter ignoriert. Für ein Kind, das so viel durchgemacht hat, alles nachvollziehbare Gedanken. Schon allein die Selbstverletzung mit dem Stein spricht dafür, dass er die volle Aufmerksamkeit von seinem Vater haben wollte.

Was mir noch immer nicht so ganz klar ist: Wer genau ist der Reiher und was war sein Ziel? Mal stellt er sich dumm, dann ist er offenbar sehr schlau und dann wieder dumm. Ein sehr undurchsichtiger Bursche, dieser Reiher. Vielleicht soll der Reiher auch nur das Spiegelbild von Mahiko sein. Die Verletzung am Schnabel offenbarte seine wahre Natur und hat ihn verunsichert. Er will helfen und gleichermaßen töten. Er ist gut und böse zugleich. All das könnte die innere Gefühlslage von Mahito widerspiegeln.

Ich bin sicher, es gibt noch viel mehr Hinweise im Film, die ich erst bei einer weiteren Sichtung sehen werde und vielleicht wird dann auch vieles noch klarer. Letztendlich ist der Film aber wieder so ausgelegt, dass man als Zuschauer mehrere Interpretationsmöglichkeiten hat.

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