5.7

MB-Kritik

Slate 2020

Action

5.7

Ahn So-yo
Min-ji Lee
Tae-San Park
Lee Da-Yeong
Erzieherin
Park In-Soo

Inhalt

Schon als kleines Kind träumte Yeon-hee davon, eine Actionheldin zu sein. Trotz imposanten Kenntnissen im Schwertkampf hat sich dieser Traum nie erfüllt, weshalb sie keine Sekunde zögert, als Stuntdouble an einem großen Filmprojekt zu arbeiten. Als sie am menschenleeren Dorf-Filmset ankommt, wird sie unversehens in ein gesetzloses Paralleluniversum transportiert, wo das Recht des Stärkeren gilt. Davon nichts ahnend, wird Yeon-hee von der Gemeinde als vermeintliche Retterin in der Not willkommen geheißen, die eine skrupellose Gang bekämpfen soll. Wird sie sich in der Rolle als Heldin in diesem mysteriösen Paralleluniversum behaupten und einen Weg nach Hause finden können?

Kritik

Das südkoreanische Kino ist mittlerweile wahrlich ein Potpourri an den verschiedensten Genres, Möglichkeiten und Stilen, sodass jeder Fan hier etwas finden kann. Und zum Glück für uns, kommen diese Filme nun auch endlich vermehrt nach Deutschland (und die deutsche Filmlandschaft sollte sich hier auch einmal eine deutliche Scheibe abschneiden), sodass wir all dies auch für uns selbst sichten und ausprobieren können. Gerade Ausprobieren, bzw. eine gewisse Experimentierfreudigkeit, liefert uns hier Slate - Here She Comes to Save the World (OT: Slate) von Newcomer , der genüsslich gleich mehrere Genres und Stile miteinander zu verbinden scheint. Als großer Fan von Quentin Tarantino, Sergio Leone sowie Akira Kurosawa, bekommen wir einen Mix, der zwischen Parodie, Samurai-Film, Fantasy-Erzählung und Martial-Arts Exposition stetig hin- und herwechselt. Was zumindest auf dem Papier äußerst spannend klingt, liefert uns aber letztlich eher nur gewollte, aber trotzdem spaßige, Kost, die mit vielen Problemen zu kämpfen hat.

Zumindest die Erwartungen sollten aber stimmen: Wer auf einen brachialen Actioner oder Martial-Arts-Film wartet, wird definitiv enttäuscht werden. Viel mehr setzt Slate mit seiner Protagonistin Cha Yeon-hee (Ji-hye Ahn) auf Träume: Den Wunsch die Hauptrolle zu besitzen, da alle anderen Rollen einfach keine Rolle spielen. Es muss die Heldin sein, was anderes kommt gar nicht in Frage. Dies hat natürlich wenig mit der Realität des Geschichtenerzählens oder des Filmemachens zu tun, bringt aber eine gelungene Motivation für unsere „Heldin“, die sich vor allem aus ihrer Vergangenheit speist. Soweit so gut und tatsächlich auch gut erzählt. Der Rest wirft sich dann aber nicht nur in diverse Tarantino-Kapitel oder Dorf-Verteidigung nach Kurosawa, sondern auch in eine andere Realität, die uns gleichsam auch noch eine gewisse Streaming-Medienkritik an den Kopf wirft. Klingt verwirrend? Nun, dass ist es leider auch.

Denn obgleich man Slate für seine Kreativität und seinen Mut loben kann, sogleich lässt er sich für seinen Wahnsinn und seine „zu viel gewollt“ Stolpersteine kritisieren. Für sich genommen funktionieren aber alle Elemente gut: Wir haben ein Gefühl für die Welt, können gut unserer Heldin folgen und sogar die Action-Sequenzen sind so gut inszeniert und mit bedacht choreografiert, dass man fast vergessen kann, dass hier eigentlich ein frühes Erstwerk von Bareun Jo erzählt wird. Im Gesamten fassen dann aber doch die Elemente nicht ineinander und viel zu oft werden wir aus der Erzählung oder der Inszenierung herausgeworfen, weil die Übergänge zu abrupt sind. Spaß macht das bunte Treiben am Ende aber dennoch, auch wenn dafür einiges an Geduld verlangt ist. Feststeht jedoch, dass Bareun Jo ein Gefühl für das Kino hat und mit mehr Budget vielleicht durchaus auch mehr erzählen kann. Bei Slate kommt er dafür noch zu schnell an seine Grenzen.

Fazit

"Slate" ist ein buntes Genre-Fest aus Stilen, Idolen, Eigenheiten und Kuriositäten, sodass gerade Fans von solchen Filmen an jeder Ecke etwas entdecken können. Der Rest wird aber wohl eher fragend in die verrückte Szenerie blicken, sodass das „Kunstprojekt“ wohl nur etwas für Fans von solchen darstellt. Zumindest der Mut und das Potenzial kann aber anerkannt werden, sodass wir gespannt sein dürfen, wann Regisseur Bareun Jo ein größeres Budget bekommt.

Autor: Thomas Repenning
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