7.9

MB-Kritik

The World of Kanako 2014

Mystery, Drama, Crime, Thriller – Japan

7.9

Koji Yakusho
Nana Komatsu
Satoshi Tsumabuki
Hiroya Shimizu
Fumi Nikaidô
Ai Hashimoto
Jun Kunimura
Joe Odagiri
Miki Nakatani
Aoi Morikawa
Munetaka Aoki
Asuka Kurosawa
Mahiro Takasugi
Shono Hayama
Hiroki Nakajima
Emma

Inhalt

Der Ex-Cop Akikazu (Kôji Yakusho) ist eigentlich am Ende seines Lebens angelangt, doch als seine Tochter entführt wird, beginnt eine Reise voller Tod, Leid und Blut. Er will nicht eher ruhen, bevor er alles auf Erden geklärt hat...

Kritik

Regisseur Tetsuya Nakashima ist niemand, der gerne seine Zuschauer verschont. Egal ob mit der schrecklichen Wahrheit, mit der unangenehmen Realität oder eben einem verstörenden Spiel um den unvermeidlichen Tod. So konnte er bereits mit „Geständnisse“ eine Reise in den Abgrund offenbaren, die einen noch lange danach beschäftigt hat. Bitter, brutal, blutig und ohne jegliche Gnade entfaltete sich im Jahre 2010 ein psychologisches wie tragisches Schauspiel sondergleichen. Doch Nakashima ist auch ein Freund der J-Pop-Kultur, was laut, bunt, unglaublich verwirrend  und gleichzeitig wunderschön sein kann. Dies bewies er bereits eindrucksvoll 2006 mit „Memories of Matsuko“. Mit „The World of Kanako“ (OT: „Kawaki“) vereint er nun drastisch beide Stile miteinander und bringt uns damit die regelrecht abstoßende Hölle auf Erden. In schnellen aufhellenden und fragmentierten Bildern zeigt uns Tetsuya Nakashima bereits in den ersten fünf Minuten eine Welt voller Schmerz, Leid, Blut, Erbrochenem, Gewalt und einer perversen Abwärtsspirale, aus der es wahrlich kein Entkommen gibt. Doch diese gewaltvolle immer wieder durch bunte fiebrige Szenen aufgeputschte Inszenierung hat ihren Preis.

Somit ist „The World of Kanako“  vor allem laut und brutal. Wo bereits jetzt einige Zuschauer wenig gefallen dran finden könnten, gibt es zudem immer wieder Momente, wo die Suche von Akikazu Fujishima (grandios gespielt von Kôji Yakusho) zuweilen ins quietschbunte J-Pop-Genre abrutscht. Angesichts der Tiefe und Tragik der wirklich eindringlichen Geschichte, wirkt dies sehr irritierend. Mehr noch, denn eigentlich wäre die Welt von Kanako zuweilen ein perfekter Film. Die Bilder die uns nämlich Tetsuya Nakashima präsentiert, zeigen dies immer wieder sehr eindrucksvoll. Ein regelrechter Reigen aus Tränen, Blut und Regen (oder Schnee). Und auch die Charaktere selbst, von denen es wohl kaum einer verdient hat zu existieren, sind vielschichtig, kantig und besonders abstoßend, sodass eine Menge Hass in den Film fließt. Dabei ist es nicht schlimm, dass keine Helden vorhanden sind, keine Empathie oder Hoffnung. Viel eher will uns „The World of Kanako“ in den Schatten drängen, aus dem es kein entrinnen gibt. So ist Kanakos Vater betrunken, höchst aggressiv und schonungslos gegenüber seinen Mitmenschen. Ihm ist jedes Mittel Recht um seine Tochter zu finden. Doch was er findet ist eine bittere Wahrheit und somit der Gang in den Wahnsinn selbst.

Wo anfänglich noch ein Rätsel steht - wer war Kanako, wer ist sie und was ist mit ihr passiert? – entfaltet sich so ein düsteres wie blutiges Spinnennetz, welches nur einen Weg kennt. Dies zusammen mit vielen Überraschungen, macht wohl den stärksten Reiz von „The World of Kanako“  aus. Einzig der ständige Wechsel der Zeitebenen, der durch die schnellen Schnitte noch unklarer wird, bringt etwas Leerlauf in den sonst sehr temporeichen Film. So oder so aber, gibt es mit den gar schon widerwärtigen Figuren eine Geschichte, die sehr nah an „Geständnisse“ heran kommt. Regisseur Tetsuya Nakashima hat eben ein Händchen für den Abschaum dieser Welt.

Fazit

„The World of Kanako“ ist laut, brutal, unglaublich düster und bietet dem Zuschauer eine Reise in eine Welt, die finsterer kaum sein könnte. Somit ist die Welt von Kanako ein klares Genre-Highlight, zumindest wenn nicht die vielen sehr aufdringlichen J-Pop-Einlagen und damit verbundenen grellen Stilmittel wären. Da wechseln sich fliegende Herzen, Neonfarben und Popmusik mit grimmigen Schlägen und Verzweiflung ab. Zu drastisch ist hier der Bruch. Was bleibt ist aber dennoch ein guter Film, der besonders von seinen darstellerischen Leistungen und der unglaublich abstoßenden Story lebt.

Autor: Thomas Repenning
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