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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Während ihr Leben buchstäblich um sie herum zusammenbricht, versucht Linda, mit der mysteriösen Krankheit ihres Kindes, ihrem abwesenden Ehemann, einer vermissten Person und einer zunehmend feindseligen Beziehung zu ihrem Therapeuten umzugehen.

Kritik

Dad ist fest, erzählt Dealney Quinn (The Beanie Bubble) als kleine Tochter der überforderten Protagonistin ihrer Ärztin. Mommy hingegen sei dehnbar. Mommy sei wie Knete. Aber selbst Knete lässt sich nicht unendlich biegen und zerren. Das zeigt die stetig wachsende Nervenanspannung der im doppelten Sinne hilflosen Hauptfigur Mary Bronsteins (Frownland) schwarzhumorigen Psycho-Dramas. Linda (eine grandiose Rose Byrne, Insidious: The Red Door) ist Psychotherapeutin, bräuchte aber eigentlich selbst Unterstützung. Nur kriegt sie die weder von ihrem beruflich dauerverhinderten Gatten (bissige Cameo von Christian Slater, Unfrosted), noch ihrem angehimmelten Kollegen. 

Auch die Ärzte, die ihre bis zur letzten Minuten nur als unerträgliche Quengel-Stimme und Teilkörper präsente Tochter mit einer Magensonde quälen, sind zusätzliche Belastung statt Beistand. Schuldgefühle für ihre Komplizenschaft in der kontraproduktiven - und wie schließlich enthüllt, kontra-indizierten - Behandlung verfolgen Linda, die nie zur Ruhe kommt. Ständig gereizt und gehetzt rotiert sie zwischen Job, Krankenhaus und dem zwielichtigen Motel, in das ihr Vermieter sie einquartiert hat, nachdem ihr fast die Decke auf den Kopf fiel.

Der groteske Zusammenbruch des Heims antizipiert den sich anbahnenden mentalen Kollapse. Niemand sieht ihre Notlage, auch, weil sie ihr Problem nie klar benennt. Damit ist sie sie nicht allein. Eine junge Patientin (Danielle Macdonald, Poker Face) Lindas steckt in einer ähnlichen Krise und über den Fernseher flimmern Archiv-Nachrichten von Müttern, die ihre Kinder umbrachten. Mit den Stilmitteln des Horrorkinos enthüllt die Regisseurin und Drehbuchautorin das Grauen der Mutter-Existenz, vor der Linda vergeblich wegzurennen versucht. 

Der alarmierend zeitgemäße Kern des Schreckens ist die Mutterrolle, die Linda wie ihre Leidensgenossinnen ablehnt. Doch in einer Gesellschaft, die weiblich gelesene Körper von Kindheit an gewaltsam kontrollieren will, wie das Schicksal der Tochter vorführt, gibt es kein Entkommen. Selbst für kurze Fluchten in den Park wird Linda von ihrem Nachbarn (A$AP Rocky, Psychedelische Abenteuer: Have a good trip) als verantwortungslos abgeurteilt. Das Echo der (Selbst)Vorwürfe dröhnt durch ihr Apartment, in dem sich immer gefährlichere Abgründe auftun - plastisch und psychopathologisch. 

Fazit

7.5

Den banalen Schrecken ungewollten Mutterseins verpackt Mary Bronstein in eine provokante Gratwanderung zwischen Schrecken und Komik. Mit Stilismen des Genrefilms demaskiert die mit Body-Horror, Sci-Fi und Haunted House Tropen kokettierende Inszenierung die deprimierende Alltäglichkeit einer verhassten Eltern-Existenz. Die diffizile Thematik, gerade dank der unkonventionellen Optik selten authentisch abgebildet, ist umso beachtlicher angesichts repressiver Gesetzesnovellen in den USA und der weitläufigen Verleugnung - auch seitens Betroffener. Selten war ein Happy End gruseliger als in der cleveren Inversion patriarchalischer Klischees. 

Kritik: Lida Bach

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