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Inhalt

Schrille Gestalten bevölkern den flippig-romantischen Rock'n-Roll-Musik-Film. Allison, brave Tochter aus gutem Hause, hat die öde Langeweile der High Society satt und brennt mit dem harten Rock'n Roller Wade "Cry Baby" Walker vom Sonntagnachmittag-Tee in die schräge Welt des "Turkey Point" durch. Dort steigt ein irres Fest von Cry Babys Monster-Familie und ihren Wahnsinns-Freunden. Cry Babys ledergedresste Großmutter verpaßt Allison das erforderliche Bad-Girl-Outfit, und die läßt Erziehung und Etikette sausen, um sich in die heißeste Zeit ihres Lebens zu stürzen...

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

„Sie haben keine Angst vor Dir, sie haben Angst vor dem, was Du repräsentierst.“ Dieses Zitat aus dem Klassiker Easy Rider von Dennis Hopper (The Blackout) lässt sich auch wunderbar auf Cry-Baby von John Waters (Pink Flamingos) übertragen, in dem der gesellschaftliche Klassenkampf zwischen den Rebellen (den Drapes) und den Spießern (den Squares) schlussendlich in einer halsbrecherischen Rivalität kulminiert. Angesiedelt im Baltimore der 1950er Jahre, spürt Kultregisseur John Waters die sozialen, zwischenmenschlichen und ideologischen Gegensätze auf, die nachhaltig dafür sorgen, diese Stadt in Aufruhr zu versetzen. Und mittendrin? Ein 27-jähriger, unverschämt gutaussehender Johnny Depp (Fear and the Loathing in Las Vegas), der die in sich verkapselten Denk- und Verhaltensmuster einer engstirnigen Gesellschaft auf den Prüfstand stellt. Was für ein Glück!

Der titelgebende Rowdy in Lederjacke, dessen Schmalztolle die ein oder andere Strähne in die Stirn verschoben hat, ist die gleichermaßen romantische wie bedrohliche Materialisation einer (popkulturellen) Ikonographie jugendlicher Rebellion. John Waters versteht die Figur des Cry-Baby jedoch nicht als aus Willkür handelnden Störenfried, sondern erzählt hier gewissermaßen seine ganz eigene Version von William Shakespeares Romeo & Julia, wenn der proletarische Flegel mit Allison (Amy Locane, Secretary – Womit kann ich dienen?), einem Mädchen aus gutem Hausen, mit guten Noten und verschüttet von den hohen Erwartungen ihres Umfelds), anbandelt. Eine verbotene Liebe schlägt also Funken, und bevor sich diese wirklich entfalten kann, findet sich Cry-Baby bereits hinter schwedischen Gardinen wieder – natürlich auch deswegen, weil die Welt Angst vor dem hat, was er repräsentiert.

John WatersCry-Baby ist, so wie es für den Regisseur seit jeher typisch ist, ein schriller Kreuzzug gegen die zerstörerische Dynamik von Konformität, Gleichschaltung und Unterdrückung. Mag der Film dabei auch weitaus konventioneller ausfallen als noch die Frühwerke des ikonischen Filmemachers, so bleibt das stetig mit dem Grotesken kokettierende Pop-Musical eine von stetiger Zuneigung und Aufrichtigkeit gegenüber seinen Protagonisten beseelte Parodie auf überholte Tanzbeinschwinger wie Blaues Hawaii oder Grease, die sich ihren entlarvenden Möglichkeiten selten bis gar nicht in das Bewusstsein gerufen haben. Nicht nur Johnny Depp und Amy Locane bringen dabei ordentlich lebenskräftigen Schwung ins Geschehen. Mit Namen wie Ricki Lake, Iggy Pop, Traci Lords und Kim McGuire in den Nebenrollen kann Cry-Baby aus einem wahrlich grellen Potpurri von Alltagshelden schöpfen.

Fazit

Auch wenn "Cry-Baby" zu den konventionelleren Arbeiten von Kultregisseur John Waters zählt, so ist sein grelles Pop-Musical nach wie vor ein wunderbarer Spaß, der nicht nur als groteske Parodie funktioniert, sondern sich auch durchweg seinem gesellschaftkritischen Potenzial bewusst ist.

Kritik: Pascal Reis

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