{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

I Spit on Your Grave (1978)

Lidanoir

Von Lidanoir in Kannibalen, Kettensägen & Kontroversen: Sieben Horrorfilme, die für Skandale sorgten

I Spit on Your Grave (1978) Bildnachweis: © CMV Laservision

Was immer man über den Inhalt denkt, eines muss man Meir Zarchis quintessenziellem Rape-and-Revenge-Thriller lassen: Der trashige Titel ist genial (wenn auch nicht der seiner Wahl, was Day of the Woman gewesen wäre). Dafür verpasste das inszenatorischer One-Hit-Wonder bei seiner einzigen anderen Regiearbeit, abgesehen von einem Sequel namens I Spit On Your Grave: Deja-vu, mit den ebenbürtig coolen Namen Don’t Mess With My Sister! Berüchtigt wurde die Geschichte einer Autorin, die sich auf blutrünstige Weise an ihren Vergewaltigern rächt, nicht zuletzt durch ihre lauten Gegensprecher. Die MPAA winkte nach einigen Schnitten mit dem X-Rating, die BRD gleich mit einem Verbot wegen “Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen”. Letzte war der deutschen Zensur natürlich herzlich egal, gab der Bigotterie und Bevormundung jedoch einen politisch progressiven Anstrich. Aber ist der auf handwerklichem Niveau abgesehen von der soliden Hauptdarstellung unbestreitbar miese Rache-Reißer nun eine misogyne Männerphantasie oder kathartische Kämpferinnen-Hymne? 

Obwohl oft von feministischen Protesten die Rede ist, stammten die lautesten und einflussreichsten Gegenstimmen von Männern. Roger Ebert und sein Kollege Gene Siskel verrissen den (Zitat) “unmenschlichen, kranken Film” mehrfach, wobei Ebert schulmeisterlich kommentierte, all jene, die den Film produziert, vertrieben und gesehen hätten, sollten sich gefälligst schämen. Carol J. Clover hingegen erinnerte in ihrem Standardwerk nicht nur an die aufschlussreichen Parallelen zu Deliverance, sondern die klare Identifikation und Sympathie der Inszenierung mit der Protagonistin, deren Angreifer als abstoßend und, ungeachtet ihres exemplarischen Victim Blamings, schuldig im Sinne von „verdient es, vom Propeller eines Motorbootes zerhäckselt zu werden“ dargestellt werden. Letztlich ist der Film, von dem aufgrund der zahlreichen Zensurverfahren Dutzende verschiedene Schnittfassungen kursieren, in seiner kruden Machart nicht annähernd so interessant wie das popkulturelle Phänomen und die anhaltende Debatte darum. Alle paar Jahre wird mal mehr, mal weniger erfolgreich über ein Verbot verhandelt, was dazu führt, dass die nächste Generation darauf aufmerksam wird - oder ein paar Gegner*innen die Zielscheibe des Protests tatsächlich anschauen. 

Wird geladen...