Bildnachweis: © Paramount

"Billions" - Staffel Eins - Kritik

von Thomas Repenning

Eine Serie angesiedelt im wahnsinnigen wie undurchdringbaren Finanzdschungel der Wall Street klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend. Das gerade aber solche Themen immens wichtig sind und mit dem passenden Stil auch perfekt transportiert werden kann, dies bewies letztes Jahr bereits schon eindrucksvoll The Big Short – immerhin war eine Oscar-Prämierung die Folge. Im Falle von Billions, der neuen Drama-Serie des Pay-TV Senders Showtime, verhält es sich dann aber doch etwas anders. Zwar ist die Finanzwelt eindeutig im Fokus und Themen wie Gier, Korruption sowie eine skrupellose Wirtschaftspolitik gehen Hand in Hand mit den Charakteren, doch Billions von Brian Koppelman, David Levien und Andrew Ross Sorkin ist eindeutig mehr: Eine intelligente Parabel der Menschlichkeit, des Kampfes Gut gegen Böse und der Frage nach Gerechtigkeit. Und wie es eben auch in der Realität ist, ist die Welt hierbei keinesfalls schwarz und weiß. Die Grautöne bestimmen die Welt und so ist der Kampf der Giganten – hier brillant von Paul Giamatti und Damian Lewis verkörpert – ein psychologisches Meisterstück und eine fantastische Reise in den Abgrund der Wall Street. Seit dem 15.06.2017 ist nun die erste Staffel dank Paramount (Universal Pictures) auf DVD im Handel erhältlich und wir haben natürlich einen Blick riskiert.

Story

Dem scharfsinnigen Staatsanwalt Chuck Rhoades (Giamatti) ist jedes Mittel recht um den ehrgeizigen Hedgefonds-Manager Bobby „Axe“ Axelrod (Lewis) krimineller Machenschaften zu überführen. Doch Axelrod weiß sich zu wehren. Beide Männer ziehen alle Register, um den Kontrahenten um jeden Preis auszutricksen – in einem höchst aktuellen Duell um Macht und Geld, für das kein Einsatz ist zu hoch ist - denn es stehen Milliarden auf dem Spiel. Paul Giamatti und Damian Lewis liefern sich in dieser, im New Yorker Hochfinanz-Milieu angesiedelten Drama-Serie, einen explosiven Schlagabtausch.

Kritik

Wenn Showtime eine Serie inszeniert, dann sind zwar Kriterien auf jeden Fall erfüllt: Ein hervorragender Cast sowie eine fantastische Hollywoodreife Inszenierung, die einen wahren Serien-Hochgenuss darstellt. Kein Wunder also, dass Regisseur Neil Burger (Divergent) sich für die beiden ersten Folgen verantwortlich zeichnete. Natürlich bleibt eine gnadenlose Bildsprache wie in Mad Men etwas unerreicht – und auch eine gewisse Überzeichnung ist Billions durchaus vorzuwerfen – doch die Figuren bekommen genau die Plattform, die sie brauchen. Mehr noch: Gerade den Autoren ist es zu verdanken, dass die psychologische Kriegsführung von Billions so wunderbar funktioniert. Denn besonders die Dialoge sind es – trotz der kryptischen Finanzwelt-Begrifflichkeiten, die eben wie in der Realität auch weit ab des normalen Bürgertums angesiedelt sind – die viel von der eigentlichen Faszination ausmachen. Diese sind fesselnd, unglaublich intelligent und bringen nicht nur die geniale Geschichte voran, sondern positionieren auch immer wieder gekonnt die Charaktere. Diese wiederrum, beziehungsweise besonders Staatsanwalt Chuck Rhoades (Paul Giamatti) sowie Hedgefonds-Manager Bobby Axelrod (Damian Lewis), sind meisterhaft dargestellt und ergeben zwei vollkommen verschiedene Welten, die durch ihren Hass und ihre Feindschaft verbunden sind.

Der Kampf beider Männer, über Ränke, Intrigen sowie verschiedene langläufige Strategien (die der Zuschauer genüsslich mitplanen und verfolgen darf) ist hierbei das Kernstück von Billions. Dies mag zwar stark konstruiert sein und teils auch so wirken, liefert aber atemberaubende Drama-Unterhaltung in ihrer besten Form. Während Chuck Rhoades (grandios wie immer von Paul Giamatti dargestellt) unbeherrscht, überzogen idealisiert, moralisch aber auch teils heuchlerisch scheinbar die Interessesen des Volkes vertritt, gibt sich Bobby Axelrod (fantastisch von Damian Lewis gespielt) als charismatischer Philanthrop, der der Allgemeinheit hilft, im wahren aber skrupellos seine Ziele verfolgt und nach der Gier strebt, die für genau die Ungerechtigkeit steht, welche die Wall Street so boshaft zu verkörpern scheint. Die starken Sexszenen sind zwar maßlos überzogen, aber bereits durch die ersten beiden Folgen positionieren sich beide Giganten hervorragend, sodass es danach ein genüssliches Schauspiel ihrer Machenschaften gibt, das begeistern kann. Der Rest ist ein Spiel um die Macht, was von seinen beiden imposanten Gegenspielern lebt und hier auch klar seinen Fokus drauf legt. Gewagt, aber es funktioniert gerade durch die immensen schauspielerischen Leistungen mit Bravur. Doch auch der Rest des Castes, unter anderem Maggie Siff, Malin Akerman und David Costabile kann sich sehen lassen. Enttäuschungen gibt es hier zumindest kaum.

DVD

Die technischen Möglichkeiten der DVD von Paramount sind natürlich gerade im Hinblick auf das Bild – welches natürlich im Original auch in HD (online beispielsweise) verfügbar ist – gering, doch das Bild von Billions (seit dem 15.06.2017 im Handel erhältlich) liefert uns kontrastreiche Farben und eine durchaus ansprechende Schärfe. Der Ton – vorliegend in Deutsch (DD 5.1 Surround), Englisch (DD 5.1 Surround), Französisch (DD 5.1 Surround), Spanisch (DD 5.1 Surround) – ergibt einen guten Raumklang und ist gerade in den Dialogen bestechend. An Extras gibt es ein Special über den Wall Street Slang, einen Blick auf die Charakterentwicklung sowie Charakterprofile.

Fazit

Die erste Staffel von "Billions" liefert uns ein scharfes, intelligentes sowie regelrecht zynisches Spiel zweier Giganten, die zwischen Licht und Schatten wandeln. Gerade das Setting im gewaltvollen Finanzdschungel weiß dabei zu gefallen – trotz seiner eigenen Sprache – und bringt ein spannendes Duell, welches noch lange im Gedächtnis bleibt. Wer auf kraftvolle Dialoge, einem spannenden psychologischem Krieg sowie starke Schauspieler hofft, wird hier vollends begeistert. Kein Wunder also, dass die Serie bereits in die dritte Staffel übergeht.  

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